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Thema: Arztpraxis Empfang: Diskretion oder Mithören?

  1. #1
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    Standard Arztpraxis Empfang: Diskretion oder Mithören?

    Noch ein anderer Punkt, der auch mit Datenschutz zu tun hat und was (hier) viele bemängeln:

    Die Empfangstheke beim Arzt ist keine 2 Meter vom Wartebereich entfernt. Nun kann man sich vorstellen, dass wirklich JEDER ALLES mitbekommt. Namen, Diagnosen, Terminvereinbarungen, Telefonate, etc. Die Patienten stehen teilweise dicht gedrängt neben- und hintereinander. Es ist nicht mal eine Abtrennung vorhanden! Und das auch noch in einem kleinen Dorf... Das macht uns sehr zu schaffen; Diskretion ist absolut nicht möglich. Man kann ja nicht flüstern, dann wird alles um so lauter wiederholt. In vielen Praxen ist alles offen. Zudem gibt es oft kleinere Wartezonen direkt vor den jeweiligen Behandlungszimmern, wo man draussen jedes Wort mithören kann. Hier sind m.E. auf jeden Fall Änderungen nötig. Am räumlich abgetrennten Empfang dürfte immer nur EIN Patient reingelassen werden, andererseits wird hier grober Datenschutzmissbrauch verursacht, die Mitarbeiter können so gar kein Arztgeheimnis/ keine Schweigepflicht einhalten.
    Gibt es hierzu eine Regelung? Wie soll man sich unter den Umständen als Patient verhalten?

  2. #2
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    Standard

    Kurzes Update:

    Der Arzt hat den Widerspruch so entgegengenommen, sich meine Argumente angehört und dann gemeint, dass er DSGVO-Schulungen beiwohnte, zudem die Einwilligung in dieser Form (!) direkt von der kassenärztl. Vereinigung erhalten hätte. Er würde sich dennoch weiterhin informieren und mir nochmals bescheid sagen.

    Auch das Datenschutz-Problem im Wartebereich sei bekannt, aber nicht einfach zu beheben, da einige Patienten nicht direkt im abgetrennten Wartezimmer Platz nehmen wollen.

  3. #3
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    Hallo Jasmin K.

    bereits bei dem ersten Thread hatten wir den Datenschutz in Arztpraxis beleuchtet. Von einer Mustereinwilligung der KVB habe ich da nichts gesehen.

    Würde mich auch wundern, wenn man eigentlich kaum Einwilligungen benötigt.

    https://www.kvb.de/fileadmin/kvb/dok...der-Praxis.pdf

    Aber seis drum. Der Arzt soll sich halt nochmal schlau machen. Für die Abstände gibt es so weit ich weiß keine Vorschriften,
    da diese in der Tat, baulich bedingt, in jeder Praxis anders sind.

    Wenn keine Massnahmen getroffen sind, könnte ich mir schon vorstellen, dass dies von der Aufsichtsbehörde beanstandet wird.
    Sollten organisatorische Massnahmen getroffen worden sein, wie eben getrennt Wartezimmer und Empfangsbereich, könnte dies aber schon genügen, auch wenn man dennoch jedes Wort hört.

    Gruß

    Dataparanoia

  4. #4
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    Standard

    Zitat Zitat von Dataparanoia Beitrag anzeigen
    Sollten organisatorische Massnahmen getroffen worden sein, wie eben getrennt Wartezimmer und Empfangsbereich, könnte dies aber schon genügen, auch wenn man dennoch jedes Wort hört.
    ???

    Ich denke, dass das weder Ihre Auffassung ist noch die der ASB.
    Ulrich Dammann
    Moderator - Administrator

  5. #5
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    Standard

    Hallo Herr Dammann

    um Missverständnisse zu vermeiden muss ich etwas konkreter werden.

    https://www.kbv.de/media/sp/Praxisin...hutz_DSGVO.pdf

    Ich schrieb, dass bei Unterlassung von Massnahmen zum Datenschutz in der Praxis (Thema Diskretion/Wartebereich) die ASB wohl Sanktionieren würde.

    Ferner, dass es keine detaillierten Anforderungen gibt, wie diese Diskretion hergestellt werden muss. Es gibt Anregungen und Beispiele. Alles ist aber abhängig von den Möglichkeiten.

    https://www.aerztezeitung.de/praxis_...n-mitteln.html

    Es gibt Behörden mit einer Trennwand/Sichtschutz zwischen den Beraterplätzen. Die Beraterplätze sind ca. 2m auseinander. Man kann jedes Wort hören. Einzellgespräche in Büros sind mangels Platz nicht möglich.
    So gibt es auch Arztpraxen, bei denen Personenleitsysteme möglich sind, aber eben auch Arztpraxen, bei denen der Abstand von Eingangstür bis Anmeldung gerade 2m beträgt.

    Die Gesetzgebung sieht keine Bauvorschriften für Arztpraxen, Behörden und sonstige vor. Dies meinte ich mit "könnte genügen", wenn die offensichtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Dies können wir aber nicht beurteilen. Zumindest ich nicht, da ich diese Praxis nicht kenne.

    Ich kenne aber viele Arztpraxen, wo die organisatorische Massnahme ein Schild ist, mit der Aufschrift "Bitte Abstand halten". Bei einem 2m Abstand müsste man schreiben "Bitte Draussen warten".
    Bei meinem Hausarzt ist genau dies der Fall. Er müsste die Patienten vor der Tür, im Freien warten lassen und zur Anmeldung einzeln nach Innen rufen. Bei Grippekranken im Winter müsste er wohl um auf die Gesundheit der Patienten zu achten, die Praxis schließen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die judikative hier Praxisschließungen anordnet, wo Diskretion aus baulichen Gründen, nicht im erforderlichem Maß hergestellt werden kann. Vorgabe kann nur sein "Bestmöglich und Stand der Technik" oder dergleichen.

    Diese Einschätzung von mir, bedeutet nicht, dass ich das befürworte. Es ist aber meiner Ansicht nach aktuelle Rechtslage. Und nur in Bezug auf das Diskretionserfordernis.

    Gerne lasse ich mich belehren, wenn Sie entsprechende §§ zur Ausgestaltung von Praxisräumen kennen.



    Gruß

    Dataparanoia
    Geändert von Dataparanoia (22.10.2018 um 10:40 Uhr) Grund: Link hinzu

  6. #6
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    Guten Morgen,
    eventuell muss man nicht gleich in Richtung Baumaßnahmen denken.
    In den meisten Fällen würde es schon weiterhelfen, wenn man alle Mitarbeiter darüber belehrt, dass kritische Telefonate oder Gespräche mit Patienten nicht quer durch die Halle getrötet werden müssen.
    Auch das wäre eine geeignete Maßnahme: Die Helferin darf Rückfragen zu Patienten nur hinter verschlossener Tür des Arztzimmers führen.
    Schon selbst beide Extreme erlebt, von Rückfragen der Helferin an mich quer durch den Wartebereich gebrüllt bis hin zu sehr verschwiegenen Arzthelferinnen, die den Arzt nur hinter verschlossener Tür zu etwas befragen.
    Die Sensibilität ist doch vor allem da von Nöten, wo es um Krankheitsbilder u.ä. geht und nicht "nur" um Terminvereinbarungen oder namentlicher Aufruf der Patienten. Das Bay LDA hat hier von sozialadäquater Praxis gesprochen.
    Viele Grüße
    CK

  7. #7
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    Standard

    @ Datenparanoia

    Ich weiß schon, was Sie meinten. Aber Sie sind mir doch etwas zu nett zum Onkel Doktor.

    Wenn in einer Gaststättenküche die baulichen Gegebenheiten es nicht erlauben, die gesetzlich geforderten Hygienemaßnahmen durchzuführen, dann sagt die Behörde nicht "hier gehts leider nicht, behelfen Sie sich irgendwie, es wird schon keiner Schaden nehmen". Sie schließt das Lokal. Ein Gastwirt, ein Bäcker und ja, auch ein Arzt, muss sich Lokalitäten besorgen, die einen ordnungsmäßigen Betrieb erlauben. Nötige Umbaumaßnahmen sind nötig, auch wenn sie Geld kosten und vielleicht den Umsatz mindern.

    Warum sollte das für Arztpraxen nicht gelten?

    Geht Rentabilität vor Datenschutz? Nein, auch nicht bei Arztpraxen.
    Ulrich Dammann
    Moderator - Administrator

  8. #8
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    ...Hmmm...natürlich bin ich nett zum Onkel Doc. Sie glauben gar nicht, was Sie erleiden und erdulden, wenn Sie sich mit einem anlegen.

    Aber unabhängig davon hatte ich ja nur die Realität beschrieben, die ich bei manch kleinem Hausarzt antreffe. Und meiner ist ja kein Einzelfall.
    Natürlich kenne ich auch Gemeinschaftspraxen von Fachärzten, da gibt es nix zu beanstanden, Platz ohne Ende. Platz für jede Menge Diskretion.

    Die organisatorischen Massnahmen sind in den kleinen Praxen ja meist umgesetzt. Sprich die Anweisungen, nicht zu Brüllen und all das "round about".
    Das meinte ich mit Massnahmen, an denen auch die ASB erkennt, das dass Mögliche getan wurde.

    Der Vergleich mit den Gaststätten hinkt etwas, denn dort haben wir eine Schankgenehmigung von Amts wegen bereits unter den Auflagen der Hygiene.
    Ein Arzt mit Problemen in hygienischen Angelegenheiten kann auch nicht auf bauliche Gegebenheiten verweisen. Da wird in beiden Fällen dicht gemacht.

    Jetzt mal weg von den ca. 10000 Arztpraxen mit Diskretionsdefiziten. Der entscheidende Faktor nicht, bauliche Massnahmen als zwingend zur Erreichung der Diskretion vorzuschreiben, liegt nicht bei den Ärzten.
    Vielmehr waren es die Behörden(Arbeitsämter,Krankenkassen, staatliche Banken..., die bereits mit BDSG Diskretions - Anforderungen überfordert waren und teilweise immer noch sind.
    Die Kosten für den Steuerzahler werden bei jeder legislativen Massnahme mit abgeprüft. Die Durchsetzung des Datenschutzes bei den Behörden im Bereich Diskretion kommt locker auf 3Geld 50

    Aus diesem Grunde, wird es wohl eine Art Bestandsschutz für Diskretionsdefizitäre Gebäude geben. Sobald neu gebaut wird ist der Datenschutz natürlich Architektenleistung.

    Bis dahin ist die sozialadäquate Praxis des LDA wohl der richtige Weg. Diese Beurteilung kann aber eben nur vor Ort gefällt werden.
    Für mich als Patient ist es schon eine Überlegung wert, ob ich den Arzt wechsle, weil der nicht in der Lage ist in seiner kleinen Praxis die Diskretion zu wahren (hauptsächlich Montags morgen), wenn eine Schlange von 40 Kranken bei Praxisöffnung an die Anmeldung drängt. Auch ist es nicht gesagt, dass man einen neuen Arzt so, mir nix dir nix, aus dem Hut zaubert. Ich kenne Fälle, da heißt es "wir nehmen keine Patienten mehr an". Und wenn mich mein Arzt seit "weit vor BDSG kennt" könnte dies in der Überlegung dann doch überwiegen.

    Da bleib ich dann lieber nett zum Onkel Doc.

    Würdigung der Gesamtumstände, tät ich sagen

    Gruß

    Dataparanoia

  9. #9
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    Na ja, Ausgangspunkt für die Diskussion war die Aussage in # 3: "Sollten organisatorische Massnahmen getroffen worden sein, wie eben getrennt Wartezimmer und Empfangsbereich, könnte dies aber schon genügen, auch wenn man dennoch jedes Wort hört."

    Meine Einschätzung: Wenn die getroffenen Maßnahmen nicht angemessen sind, um Beeinträchtigungen Betroffener zu vermeiden (= man kann weiterhin jedes Wort hören), kann dies nicht genügen. Oder im Umkehrschluss: Mit dem Argument "Wir haben etwas gemacht; dass dies nicht genügt, dafür können wir nichts" ließe sich fast jeder Mangel rechtfertigen.

    Mit dem Vergleich von Herrn Dammann bzgl. der Gaststätten ging es wohl auch eher um eine angemessene Würdigung der Bedeutung der jeweiligen Schwerpunkte in beiden Branchen (Gaststätte = Hygiene, Arzt = Diskretion) und weniger um die Hygiene selbst.

    CatKoll hat in # 6 bereits Wege aufgezeigt, wie es trotz ungünstiger räumlicher Vorgaben gelingen könnte.

  10. #10
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    Dann müssen wir jetzt ja nur noch die mitteilungsbedürftigen Kranken/Pensionäre in den Griff kriegen, die selbst gerne im Wartezimmer tröten

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