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Thema: Datenschutz im Verhältnis Mieter, Vermieter, Bank, Gutachterbüro und Gutachter

  1. #1
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    Standard Datenschutz im Verhältnis Mieter, Vermieter, Bank, Gutachterbüro und Gutachter

    Ich fühle mich gerade richtig hilflos. Ich bin gewöhnlich penibel, wem ich überhaupt Daten von mir gebe. Meine Email-Adresse kennt kaum jemand. Jetzt sehe ich mich aber mit einer Verbreitung meiner Daten konfrontiert, die mich einfach nur noch sprachlos macht.

    Mein Vermieter hat meine Wohnung durch eine neue Bank aus Nordrhein-Westfalen finanzieren lassen. Wie er mich informierte, mußte für diesen Zweck die Bank die Wohnung bewerten. Er hatte der Bank bereits detaillierte Grundrisse, Fotos vor meinem Einzug und meinen Mietvertrag zur Verfügung gestellt. Dem Gutachterbüro aus Leipzig hatte er meine Kontaktdaten übermittelt. Diese versuchten nun mehrfach während meines Urlaubs, mit mir Kontakt aufzunehmen. Ich schalte mein Handy aber nicht ein und die E-Mail blieb auch erst einmal unbeantwortet. Erst nach meinem Urlaub kam ich dem Wunsch einer Terminabstimmung mit dem Gutachter nach. Die freundliche Ansprechpartnerin beim Gutachterbüro erklärte mir, daß der Termin trotz der vorliegenden Unterlagen zur Überprüfung der Angaben des Vermieters, der Begutachtung von Materialien und der Aufnahme aktueller Fotos vom Gebäude, den Kellerräumen und der Wohnung notwendig war. Sie war jedoch nicht die Gutachterin, sondern plante lediglich eine Tour für eine Kollegin. Mit der Terminbestätigung erfuhr ich dann den Namen der eigentlichen Gutachterin. Dank Google konnte ich feststellen, daß diese wiederum für ein kleines Gutachterbüro hier in Berlin arbeitete. Beim Besuch wurde deutlich, daß die Dame sich mit den Unterlagen sehr gut beschäftigt hatte. Sie kannte mich und meine Wohnung („… ach ja, und hinter dieser Tür kommt der Abstellraum …“) bereits im Details und war mit der Fotodokumentation in 10 Minuten fertig. Die Fotos machte sie mit einer kleinen Kamera. Auf dem iPad hatte sie eine Anwendung, in der sie ein paar Daten zu meiner Wohnung ergänzte. Irgendwie ging alles verdammt schnell.

    Und jetzt komme ich immer mehr ins Grübeln, wo hier was falsch läuft. Und ich kann hier auch kein Einzelfall sein!
    Meine bei dieser Immobilienbewertung gesammelten Daten umfassen mindestens: Name, Geburtsdatum (aus dem Mietvertrag), Anschrift, Voranschrift (aus dem Mietvertrag), E-Mail-Adresse, Telefonnummer, monatliche Bruttomiete (aus dem Mietvertrag, was wiederum Rückschlüsse auf mein Einkommen zuläßt), Bankverbindung IBAN (aus dem Mietvertrag), Lebenssituation (verheiratet, aus den Fotos), keine Kinder (Grundriß + Fotos), allgemeine Interessen (auf den Fotos sind Fotoausrüstung, die Bücher die im Schrank stehen etc. sichtbar), Umfang der Körperhygiene und der genutzten Marken von mir und meiner Frau (Foto des Bades).

    So, und diese nicht ganz unpersönlichen Daten von mir haben nun also die Bank meines Vermieters, das Gutachterbüro 1 aus Leipzig, das Gutachterbüro 2 hier aus Berlin und alle IT-Dienstleister, die für eines der Gutachterbüros oder die Bank arbeiten.

    Ich könnte jetzt einfach fragen, dürfen die das haben? Die Frage kann ich mir aber allein beantworten. Muß ich jetzt gegen meinen Vermieter vorgehen, zu dem ich seit vielen Jahren ein gutes Verhältnis habe und der doch auch nur das gemacht hat, was die Bank von ihm gefordert hat? Sonst hätte er keinen Kredit bekommen. Die Bank anschreiben? Die hat überhaupt keine Vertragsbeziehung mit mir. Die Gutachterbüros kontaktieren und auffordern, alles zulöschen? Ist Datenschutz nur was für Menschen mit viel Geld und Zeit?

  2. #2
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    So Jungs, geht lustig weiter. Die erste Bank hat aufgrund des Gutachtens meinem Vermieter wohl einen zu geringen Wert für die Immobilie ermittelt. Jetzt kommt also die nächste Bank. Mein Vermieter hat mich schon mal informiert, dass sich noch ein Gutachterbüro bei mir melden wird. Diesmal ist es eine große deutsche Bank auf Frankfurt.

    Also ich hab mir jetzt schon mal fest vorgenommen, dem Gutachter, der dann letztendlich bei mir aufschlagen wird, nicht mehr Fotos von unseren Privaträumen machen zu lassen. Beim Thema "Schutz meiner Daten aus der Beziehung zu meinem Vermieter" bin ich aber weiterhin ratlos.

    Mein Mietvertrag ist ein typischer Standard, in dem das Wort "Daten" nicht einmal auftaucht. Einmal Googeln zeigt, dass auch beim Deutschen Mieterbund (https://www.mieterbund.de/index.php?...rtrag_2015.pdf) das Wort "Daten" im Mietvertrag nicht auftaucht.

    - Auf welcher Basis gibt nun also mein Vermieter meine Daten an die Bank weiter?
    - Auf welcher Basis fordern Banken diese Daten von meinem Vermieter ein?
    - Nachdem die Finanzierung bei der ersten Bank gescheitert ist, welche Rechte habe ich als Mieter, von der Bank die Löschung meiner Daten einschließlich der ganzen Kette dahinter zu verlangen?
    - Welche Auskunftsrechte habe ich z.B. gegenüber dem Gutachter, der als nächstes kommt?

    Ich hoffe auf Eure Rückmeldung, bevor der nächste Gutachter bei mir in der Tür steht

  3. #3
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    Die Daten einschl. Bilder der Wohnung als socher (leer) sind Daten des Vermieters. Er kann darüber im Rahmen seiner Vermögensverwaltung - zumindest im sozialüblichen Umfang - verfügen. Der Mieter dürfte in gewissem Umfang zur Mitwirkung verpflichtet sein, wenn Kreditgeber oder neue Mieter über die Wohnung näher und aktuell informiert werden sollen. Dazu gehört grsl. auch das Fertigen von Fotos. Den Mieter sehe ich aber nicht verpflichtet, das Fotografieren seiner persönlichen Einrichtung und Ausstattung zu dulden. Muss dazu umgeräumt werden, so würde ich im zumutbaren Umfang eine Duldungspflicht des Mieters annehmen. Aber er muss nicht selbst arbeiten, sondern der Vermieter trägt alle dafür notwendigen Aufwendungen.

    Der Umfang der weitergegebenen Daten erscheint exzessiv. Die Miethöhe geht in Ordnung. Schon beim Namen des Mieters kann man zweifeln. Wenn der Name an der Klingel steht, mag es aber angehen. Der Vermieter hat ein berechtigtes Interesse, die wertbildenden Faktoren der Bank glaubhaft zu machen. Mit den Interessen des Mieters ist dann abzuwägen.

    Der Gutachter hat keine eigenen Rechte. Er kann nur im Rahmen der Rechte des Vermieters tätig werden.

    Ist der Kreditantrag endgültig abgewiesen, können Sie mE Löschung Ihrer persönliche Daten (die nicht zugleich Daten der Wohnung/des Vermieters sind) bei Bank und Gutachter verlangen.

    Zum Thema gibt es die Berliner Mieterdatenschutzbroschüre. Ihr Fall (Bank/Gutachter) fehlt aber dort wohl noch.
    Ulrich Dammann
    Moderator - Administrator

  4. #4
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    Es gibt niemals einen Grund sich hiflos zu fühlen RSieben! Ich bin in diesem Themengebiet wirklich nicht sonderlich bewandet und würde dir raten, einen guten Anwalt zu kontaktieren, damit Klarheit in diese Sachlage kommt und du auch nicht mehr länger "grübeln" musst. Kommst du aus der Ecke Hannover? Wenn ja, ein Tipp von mir: diese Kanzlei mal kontaktieren.
    Geändert von Ulrich Dammann (16.11.2017 um 16:49 Uhr) Grund: Werbelink entfernt

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