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Thema: Keine Kontrolle bei Internet-basierte Lernplattformen in Schulen

  1. #1
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    Standard Keine Kontrolle bei Internet-basierte Lernplattformen in Schulen

    Wer kontrolliert Internet-basierte Lernplattformen in Schulen

    Ich habe zwei Kinder in der Grundschule (2. Und 4. Klasse) und vor zwei Wochen erfuhr ich per Elternbrief, dass unsere Schule Lizenzen für Internet basierende Lernplattformen erworben hat und dass unsere Klassenlehrerin unsere Kinder dort angemeldet hatte. Diese Lernplattformen erlauben, dass Schulkinder in der Klasse oder zu Hause sich mit einem Usernamen und Passwort anmelden und allgemeine Fragen oder von der Lehrerin spezifisch gestellte Hausaufgaben beantworten können und dadurch Punkte sammeln. In dem Elternbrief wurden die Lernplattformen vorgestellt und auf die dort gespeicherten Daten hingewiesen (natürlich falsch und nicht alle erhobenen Daten). Unsere Lehrerin versicherte, dass Sie dort die Kinder nur unter „anonymisierten“ Nutzernahmen angemeldet hat und dem Betreiber der Plattform nur die Vornahmen und abgekürzte Nachnahmen zur Anmeldung übermittelt hat. Zuerst hatte ich das recht unkritisch gesehen und dachte gut …. Bis ich auf folgenden Passus im Eltern Brief gestoßen bin: „Ich habe ein für Ihre Kinder ein zufälliges Passwort“ generiert…..

    Hä ??? „Wiso vergibt die Lehrerin Passwörter?“ .. Dann habe ich alles noch mal genau gelesen: Die Lehrerin fragte im Elternbrief nicht nach Zustimmung zur Anmeldung, sondern nur um Bestätigung/Kenntnisnahme…. Also habe ich die Unterschrieben Abschnitte wieder aus den Mappen meiner Kinder rausgenommen und mir die Plattformen näher angeschaut ….Und fest gestellt: Es gibt keinerlei Regelungen oder Richtlinien, welche die Nutzung von Internetbasierten-Lernplattformen an der Schule regulieren (zumindest in NRW)

    Bei allen von mir untersuchten Lernplattformen erfolgt die Anmeldung durch die Lehrerin oder Lehrer: Sie vergiebt Nutzername und Passwort für die Schüller und behält IMMER Kontrolle über die dort gespeicherten Daten. Bei einigen Lernplattformen wie antolin.de von Schrödel Verlag, wird nicht mal die Einwilligung von Eltern verlangt, obwohl dort extrem persönliche Daten zum Lese verhalten gespeichert werden. Andere Seiten unterhalten Chat und Schüler-Email Accounts, die dank der Passwortkenntnis des Lehrers jeder Zeit eingesehen werden können …. Schlimmer noch …. Werder Schüler noch Eltern haben einen rechtlichen durchsetzbaren Anspruch auf Löschung der Daten, da laut AGBs hier der Lehrer die Daten erhoben hat …. Das Beste jeder Lehrer und Lehrerin, kann alle Daten an weiterführende Schulen oder andere weiterleiten…. Dies erfolgt natürlich ohne Kenntnis des Schülers oder deren Eltern. Eine Kontrolle der Löschung von all den Daten kann nie erfolgen, Da der Lehrer nur das Passwort des Schüler ändern muss um die Daten als gelöscht zu „simulieren“(da er/sie die Daten z.B. aus Statistischen Gründen oder was auch immer behalten möchte). Eltern erfahren nie, dass die Daten noch da sind … und eine Nachfrage beim Webseitenbetreiber bringt nix, da ich Ihm nur schwer nachweisen kann, dass es sich um die Daten meiner Kinder handelt …. Ich kenn ja noch nicht mal die Daten, unter den meine Lehrerin meine Kinder angemeldet hat lol

    …. Nun was ist so schlimm daran … mögen einige Fragen…
    Ganz einfach. Datenschutz richtet sich nicht nach dem Motto: Es wird schon nichts passieren und Lehrer sind doch vertrauenswürdig …. Es geht um das undenkbare und ich will nicht, dass mein Sohn in 10 Jahren ge-googelt werden kann als ein „Weichei“ nur weil er in seiner Grundschulzeit lieber Hani und Nanni lass als die wilden Kerle …..

    Auf Nachfrage beim Kultusministerium und der Bundesprüfstelle für Medien hieß es, das unterliegt keiner Regelung…. Wie kann das sein ???


    ... Für Erfahrung Anderer oder andere Tips bin ich dankbar

    Grüsse Tom

  2. #2
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    Erfahrungen habe ich nicht, aber vielleicht Tipps.
    Ich würde zunächst das Gespräch mit anderen Eltern suchen. Sicherlich haben einige andere die gleichen Bauchschmerzen und Fragen. Mit diesen dann könnte man sich an die Schule wenden und/oder weiter gehend.
    Es sollte grundsätzlich sichergestellt sein, dass eine informierte Einwilligung eingeholt wird vor Datenerhebung, gleichermaßen sollte die Datenlöschung nach einer gewissen Zeit sichergestellt und garantiert sein. Hier würde ich in regelmäßigen Abständen hinterfragen.
    Wenn bereits Einwilligungen erfolgt sind, können diese jederzeit widerrufen werden. Würde ich bis zur Klärung der Fragen durch die Schule u.a. auch machen. Wie gesagt, am besten vorher viele Eltern dafür sensibilisieren.
    Würde mich interessieren, was letztlich dabei herauskommt.
    Gruß

  3. #3
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    ...ach ja, und vor allem würde ich auch hinterfragen, ob und wohin personenbezogene oder -beziehbare Daten weiter geleitet werden und aus welchem Grund (gesetzliche Grundlage).

  4. #4
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    Zitat Zitat von Tomkk67 Beitrag anzeigen
    Auf Nachfrage beim Kultusministerium und der Bundesprüfstelle für Medien hieß es, das unterliegt keiner Regelung…. Wie kann das sein ???
    Genau das ist wohl das Problem. Und zugleich ist es falsch, denn es gilt das Landesdatenschutzgesetz, dazu evtl. Bestimmungen des Schulrechts.

    Da stellen sich viele Fragen. Wer ist denn für welche Daten und Verarbeitungen die "verantwortliche Stelle"? Worauf beruht die Zulässigkeit? Welche Optionen haben Schüler/Eltern?

    Vermutlich haben das Pädagogen und Informatiker gestrickt. Jetzt ist es funktionell. Aber gibt es "Privacy by Design"?

    Vielleicht sollte Ihr Ziel sein, die Schule, den Vertreiber/Entwickler, interessierte Eltern (wie Wilma sagt) und einen DS-Sachverständigen (LfDI?) an einen Tisch zu bringen, um gemeinsam das Problem zu analysieren. Dann muss man sehen, ob, wie, mit welchen Modifikationen man das System DS-gerecht einsetzen kann.

    Vielleicht finden Sie auch Kontakt zu Eltern anderer Schulen?

    Wenn die Schule nicht kooperativ sein sollte, haben Sie diverse rechtliche Mittel, die wir Ihnen nötigenfalls an die Hand geben können.
    Ulrich Dammann
    Moderator - Administrator

  5. #5
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    Wenn ich es richtig gelesen habe, geht es um eine Schule in NRW. Dort gibt es für jeden der 53 Kreise bzw. der kreisfreien Städte einen Datenschutzbeauftragten, der (speziell) für die Schulen zuständig ist. Häufig sind die Kontaktdaten auf der Seite der entsprechenden Bezirksregierung veröffentlicht. Ich würde mich mit diesem in Verbindung setzen und gemeinsam ein Verfahrensverzeichnis (ist eh notwendig) erstellen. Geplant ist derzeit auch, an jeder Schule eine Kollegin bzw. einen Kollegen als Ansprechpartner für den Datenschutz zu installieren. Wegen der Komplexität der Materie wird die Hauptaufgabe dann aber wohl in der Kontaktvermittlung zum für die Schulen zuständigen Datenschutzbeauftragten des Kreises oder der Stadt bestehen.

  6. #6
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    Danke, snoopy64!

    Das scheint auch mir die richtige Adresse.
    Ulrich Dammann
    Moderator - Administrator

  7. #7
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    Vielen Dank für die Zahlreichen Antworten!

    Natürlich hat Wilma recht! Jedoch ist das Interesse in der Elternschaft an diesem Thema eher begrenzt. Gefühlte zweidrittel der Eltern interessiert es gar nicht und die Standardaussage der übrigen Eltern kann man in etwa so zusammenfassen: „Auf Facebook geht es doch viel schlimmer zu“. Die allermeisten Eltern, wie Lehrer finden diese Programme hingegen toll, denn sie motivieren die Schüler! D.h. der Nutzen steht hier (gefühlt) über den Datenschutz!

    Als hinterfragendes Elternteil wird man eher als Querulant wahr genommen…. Andere Aussagen gehen dahin, das sie mir „zu Recht empfehlen“ die Nutzung dieser Plattformen für meine Kinder zu untersagen. Natürlich ist das mein Recht. Jedoch führt es zu erheblichen Benachteiligungen meiner Kinder. Sie können nicht mehr wie andere den Computer in Freiarbeit nutzen bzw./und letztendlich den Computer in der Schule gar nicht mehr nutzen. Zusätzlich entsteht dadurch auch ein sozialer Druck, wenn meine Kinder als einzige an bestimmten Unterrichtsangeboten ausgeschlossen werden!!! Unnötig zu erwähnen, dass es natürlich nicht Rechtens ist Hausaufgaben auf zu geben, die Sich auf die Nutzung dieser Plattformen beziehen, aber dies dennoch gemacht wird … „Ach richtig, Du kannst das ja nicht… dann machst Du halt das …“

    Um solche Benachteiligungen zu verhindern, geht es mir vorallen um eine generelle Regelung zur Nutzung solcher Lernplattformen in der Schule: Sowohl die Datenschutzbeauftragte des Landes, als ein Vertreter der Bundesprüfstelle für Medien sagten mir, dass an diesem Thema bereits gearbeitet würde ....

    Vielleicht sollte Ihr Ziel sein, die Schule, den Vertreiber/Entwickler, interessierte Eltern (wie Wilma sagt) und einen DS-Sachverständigen (LfDI?) an einen Tisch zu bringen, um gemeinsam das Problem zu analysieren. Dann muss man sehen, ob, wie, mit welchen Modifikationen man das System DS-gerecht einsetzen kann.
    Das würde ich gerne tun! Ich habe bereits mit dem Betreiber der Lernplattform Kontakt aufgenommen und konnte zumindest durchsetzten, dass der sog. „betreuende Lehrer“ nach der Anmeldung des Schülers angezeigt wird, damit man zumindest weiß, von wem der Schüller-Account überhaupt betreut wird …. Und man überhaupt als Schüler/Eltern weiß, wer aktuell Zugriff auf die Daten hat…. Denn nur an diesen kann man sich wenden, um eine Löschung zu beantragen!!

    Vielleicht finden Sie auch Kontakt zu Eltern anderer Schulen?
    Ja, dass war ein Grund, warum ich mich hier im Forum angemeldet hatte

    Wegen der Komplexität der Materie wird die Hauptaufgabe dann aber wohl in der Kontaktvermittlung zum für die Schulen zuständigen Datenschutzbeauftragten des Kreises oder der Stadt bestehen.
    Das mag sein, aber ich kann nur sagen, dass ist dringend notwendig!!!! Ich habe zwei Stunden gebraucht, um die verantwortliche Datenschutzbeauftragte unseres Landkreises zu ermitteln!!
    Geändert von Tomkk67 (31.01.2012 um 14:41 Uhr)

  8. #8
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    Zitat Zitat von snoopy64 Beitrag anzeigen
    Ich würde mich mit diesem in Verbindung setzen und gemeinsam ein Verfahrensverzeichnis (ist eh notwendig) erstellen.

    Was ist ein Verfahrensverzeichnis ???

  9. #9
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    Hallo Tomkk67,

    das Verfahrensverzeichnis ist eine Dokumentation über den Umgang mit personenbezogenen Daten nach einem festgelegten Schema.

    Zitat Zitat von Tomkk67 Beitrag anzeigen
    Als hinterfragendes Elternteil wird man eher als Querulant wahr genommen...
    Davon sollten weder Sie noch Ihre Kinder sich abschrecken lassen!

    Die von Ihnen erwähnten Benachteiligungen können durch ein datenschutzkonformes Verfahren nicht verhindert werden, es kann jedoch helfen, den Kindern einen gewissen Schutz zu gewährleisten.
    Ich weiß von einer hessischen Schule, die eine Lernplattform/-software nutzt, daß den Eltern die Zugangsdaten gegeben werden. Sie können damit die Einstellungen zum Nutzerkonto selbst vornehmen. Inwieweit datenschutzrechtliche Maßnahmen seitens der Schule umgesetzt werden, ist mir nicht bekannt.

    Sollte es NRW betreffen, dann gibt es im 20.Datenschutzbericht des LDI unter Punkt 11 in Bezug auf E-Learning und Hochschulen eindeutige Forderungen, die m.E. auf *schulen übertragen werden können. Es sei denn E-Learning ist aus Datenschutzgründen nicht als Lehrmethode für andere Schulen als Hochschulen vorgesehen. Das wäre doch mal eine Maßnahme, um den Kindern wieder lesen, schreiben und rechnen beizubringen. An den Rechner kommen sie noch früh genug.

    Hier sind einige Hilfestellungen für die Überzeugungsarbeit bez. anderer Eltern:
    Datenschutz bei Kindern
    Datenschutz in der Schule

    Habe ich das richtig verstanden, daß snoopy64 sich der Sache annimmt bzw. angenommen hat?

  10. #10
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    Hallo,
    ich habe nur geschrieben, was ich "weiß" ... der Sache angenommen habe ich mich damit nicht.
    Mein Rat: Kontakt zum Datenschutzbeauftragten aufnehmen - der (oder die) weiß in aller Regel, wie man verfahren muss und hilft im Zweifelsfall auch bei der Erstellung eines Verfahrensverzeichnisses ... allerdings besteht die tatsächlich Aufgabe des Datenschutzbeauftragten nicht in der Erstellung eines solchen, sondern in der "Abnahme". Juristisch bin ich da jetzt aber überfragt.
    Hinweise findet man z. B.hier:
    http://ds-in-schulen.do.nw.schule.de...erzeichnis.php

    Hochschulen und Schulen sind leider zu wenig vegleichbar. So ist der Besuch einer Uni zum Beispiel freiwillig, wohingegen Schulpflicht besteht. Dies hat auch Auswirkungen auf die Nutzung bestimmter Werkzeuge wie z. B. Plattformen.

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