Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 24

Thema: "Privatsphäre ist sowas von Eighties"

  1. #1
    Registriert seit
    06.07.2009
    Beiträge
    500

    Standard "Privatsphäre ist sowas von Eighties"

    ... sagt jedenfalls Julia Schramm als Mitbegründerin der "datenschutzkritischen Spackeria" in einem Interview mit Spiegel Online.
    Kämpfen wir vielleicht alle gegen Windmühlen ?

  2. #2
    Registriert seit
    20.12.2010
    Ort
    Deutschland
    Beiträge
    627

    Standard

    In deren eigenem Wiki steht:

    spontane Idee in der Nacht vom 18. Feb. 2011
    ==> weniger trinken ist manchmal besser!

    JD

  3. #3
    Registriert seit
    20.05.2010
    Beiträge
    130

    Standard

    Zitat Zitat von Marder Beitrag anzeigen
    Julia Schramm
    Muß man die kennen? Ich frage mich, was die geraucht haben.

  4. #4
    Registriert seit
    08.02.2011
    Ort
    Lübeck
    Beiträge
    903

    Standard

    Nein! Vielmehr zeigt genau eben dies die Notwendigkeit des Datenschutzes und der Datenschutzbeauftragten und eigentlich die Notwendigkeit, dass hier weitere Kompetenzen notwendig sind, um den Datenschutz auch gesetzeskonform durchsetzen zu können. Hierzu würde dann auch mehr Personal gehören, damit diese Ihre Aufgaben auch tatsächlich erledigen können. Google ist dabei doch ein recht gutes Beispiel, immerhin waren hier die Datenschützer doch recht aktiv in Bezug auf Googlestreeview, auch wenn ich mir persönlich eine andere Regelung gewünscht hätte.

    Tatsächlich haben unendlich viele Firmen alle möglichen Daten von uns und im Internet geben wir selbst eine Masse an Daten preis, doch dies rechtfertigt keinesfalls eine Aufgabe des Schutzes der Daten, nur weil hier scheinbar in bestimmten Bereichen Ohnmacht zu bestehen scheint.

    Das Konzept in Deutschland ist leider kein Weltkonzept. Megakonzerne die Monopolstellungen oder monopolähnliche Stellungen einnehmen waren schon immer ein Problem und so ist es auch bei Google, welches die am meisten genutzte Suchmaschine darstellt und die anderen Suchmaschinen am Rand auch noch mitexistieren dürfen.

    Wir haben schon viel gewonnen, wenn jeder mit seinen Daten bewußt umgeht und diese eben nicht jedem bedenkenlos gibt. Die Regeln für Firmen und öffentliche Einrichtungen bringen die möglichkeiten für einen guten Datenschutz und gerade der betriebliche Datenschutzbeauftragte (Intern oder Extern) ist meiner Meinung nach der stärkste Faktor, um das Gesetz tatsächlich mit Leben zu füllen. Problematisch sehe ich die rasende Entwicklung der Datenverarbeitung und Nutzung, sowie die schlechte personelle Ausstattung der Aufsichtsbehörden und des oft zu halbherzigen Umganges mit dem Verhängen von Bußgeldern und Strafen, welche darüber hinaus große Firmen eigentlich nicht wirklich treffen, die bezahlen das dann aus der Portokasse.

    Strafen und Bußgelder sind ja im Gesetz mit bis zu 50.000 € bzw. 300.000 € benannt, auch die Möglichkeit der Haftstrafe ist hier benannt, wobei diese nach meiner Kenntnis noch nie verhängt wurde. Passieren dann doch Verstöße, so wird das Maximum in der Regel nie geltend gemacht (Beispiel Lidl, Stafen pro Filiale 10.000 € (2008) als die maximalstrafe 25.000 € betrug und Lidl nun sich wirklich nicht dumm stellen konnte. Vergleicht man dies nun bei Privatpersonen, beispielsweise bei Fällen beim Arbeitsamt, so steht hier dass Sperren bis zu 3 Monaten verhängt werden können, doch seit es diese Regel gab, wurde eigentlich auch immer diese maximale Möglichkeit genutzt und nicht erst ein Vorwanschuß gegeben.

    Strafen und Bußgelder würde ich schon aufgrund des besonderen Kreises (Unternehmen) nicht an Maximalbeträgen fest machen. Vielmehr würde ich hier Mindeststrafen+wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Unternehmens (%) festsetzen, damit dann auch Konzerne diese Strafen tatsächlich spüren. Wieso sollte in kleines Unternehmen bei soetwas um seine Existenz bangen müssen (Beispiel Kiosk mit Kamera, die aus versehen die Straße mitfilmt) und ein Konzern, der aktiv seine Kunden und Mitarbeiter ausspioniert, dies mit einem Lächeln erledigen, ohne ernsthafte Schäden befürchten zu müssen?
    Geändert von MediaJumper (10.03.2011 um 09:38 Uhr)

  5. #5
    Registriert seit
    20.12.2010
    Ort
    Deutschland
    Beiträge
    627

    Standard

    Moinsen nochmal,

    in einem Punkt gebe ich Frau Schramm Recht: wir müssen lernen, damit zu leben, dass viele Daten auch dauerhaft verfügbar und verknüpfbar bleiben.

    Es ist aber dennoch Aufgabe des Datenschutzes, zu verhindern, dass der Einzelne sein Verhalten im negativen Sinne vorab anpasst, weil er Angst davor hat, dass sein Gegenüber zu viel über ihn weiss. Verhindern lässt sich dies durch Regelungen des Staates gegenüber sich selber aber auch gegenüber der Wirtschaft.

    Hier ist also eher eine Stärkung des Datenschutzes auch im öffentlichen Bewußtsein notwendig, damit unsere freiheitlich demokratische Grundordnung trotz vieler im Umlauf befindlicher Daten weiter funktioniert.

    Diese Diskussion ist allerdings nicht neu - meine Aussage aus Absatz 2 stammt aus dem Jahre 1983... (--> BVerfGE 65,1)

    Viele Grüße, JD

  6. #6
    Registriert seit
    21.09.2009
    Beiträge
    894

    Standard

    Zitat Zitat von John Doe Beitrag anzeigen
    Diese Diskussion ist allerdings nicht neu - meine Aussage aus Absatz 2 stammt aus dem Jahre 1983... (--> BVerfGE 65,1)
    "So was von Eighties!" Zitat der 25jährigen Dame (soll keine AGG-mäßige Verunglimpfung sein, auch wenn diese Dame meint, Privatsphäre sei auch der Ort, wo Ehemänner ihre Frauen schlagen).

    Zitat Zitat von MediaJumper Beitrag anzeigen
    ... im Internet geben wir selbst eine Masse an Daten preis, doch dies rechtfertigt keinesfalls eine Aufgabe des Schutzes der Daten, nur weil hier scheinbar in bestimmten Bereichen Ohnmacht zu bestehen scheint.
    Das sehe ich auch so, aber ich finde nicht, dass man mit der Verstärkung des Datenschutzpersonals und erhöhten Bußgeldern die Frage
    Zitat Zitat von Marder Beitrag anzeigen
    Kämpfen wir vielleicht alle gegen Windmühlen ?
    beantworten kann.

    Kann es nicht sein, dass mit den Windmühlen auch die von der Dame angesprochene IP-Adressen-Diskussion gemeint ist? Haben sich da vielleicht nicht einige verrannt und haben nicht den Mut zum Anhalten? Werden wir durch deren Aktionen und Androhungen von Sanktionen als DSB nicht auch der Lächerlichkeit preisgegeben?

    Zitat Zitat von John Doe Beitrag anzeigen
    Es ist aber dennoch Aufgabe des Datenschutzes, zu verhindern, dass der Einzelne sein Verhalten im negativen Sinne vorab anpasst, weil er Angst davor hat, dass sein Gegenüber zu viel über ihn weiss. Verhindern lässt sich dies durch Regelungen des Staates gegenüber sich selber aber auch gegenüber der Wirtschaft.
    Das sehe ich auch so. Und wenn wir nicht mehr die lebenslange Speicherung privater Daten im Netz verhindern können, muss der Staat über ein konsequentes Nutzungs- und Verwertungsverbot nachdenken. Es kann nicht sein, dass man sagt: "Eigentlich hätten die Daten gar nicht gespeichert werden dürfen. Aber weil sie nicht gelöscht sind, dürfen wir diese gerichtlich verwerten."

  7. #7
    Registriert seit
    08.02.2011
    Ort
    Lübeck
    Beiträge
    903

    Standard

    Zitat Zitat von ewuryba Beitrag anzeigen
    Das sehe ich auch so, aber ich finde nicht, dass man mit der Verstärkung des Datenschutzpersonals und erhöhten Bußgeldern die Frage beantworten kann.
    Mehr Personal, damit die Behörden auch Ihre Arbeit wirklich erledigen können. Denn hieran mangelt es nach wie vor. Ein Gesetz muss auch durchgesetzt werden können, damit es auch allgemein anerkannt wird. Für Behörden in denen der Staat viel Geld verdienen kann, ist ja auch genug Personal da. Wieso sollten also die Aufsichtsbehörden mit weniger ausgestattet werden. Das betrifft auch nicht nur diese Aufsichtsbehörden, sondern auch andere Aufsichtsbehörden. Die Gradwanderung zwischen dem Durchsetzen eines Gesetzes und eines Überwachungsstaates sind hier natürlich zu berücksichtigen, da wir letzteres ja auch nicht wollen.

    Eine Erhöhung der Bußgelder ist hier nicht gemeint, sondern vielmehr eine Anpassung, damit diese auch Wirkung zeigen und gleichzeitig einen Kleinstunternehmer nicht ruinieren können. Dies gibt es im Strafrecht auch, hier werden Tagessätze festgesetzt, welche sich an das Einkommen anlehnen, auch wenn trotzdem die Person mit wenig Einkommen nach wie vor dort stärker getroffen wird, so kann die Person mit viel Einkommen aber nicht von einem Trinkgeld ausgehen. Ich hatte mir das so vorgestellt: § 43 BDSG 10.000 € Bußgeld + X wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, § 44 BDSG 100.000 € Strafe + X wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. In diesem Fall hätte die Bahn AG und andere auch eine finanziell spürbare Geldstrafe erhalten und diese wäre sogar in der Bilanz aufgefallen.
    Geändert von MediaJumper (10.03.2011 um 11:32 Uhr)

  8. #8
    Registriert seit
    21.09.2009
    Beiträge
    894

    Standard

    Zitat Zitat von MediaJumper Beitrag anzeigen
    In diesem Fall hätte die Bahn AG und andere auch eine finanziell spürbare Geldstrafe erhalten und diese wäre sogar in der Bilanz aufgefallen.
    Jetzt wird es schon sehr "Off-Topic". Da fällt mir eine neue Bilanzposition ein: "Rückstellung für noch nicht verhängte Bußgelder".
    Geändert von ewuryba (10.03.2011 um 11:41 Uhr) Grund: "Busshelde"r geändert in "Bußgelder"

  9. #9
    Registriert seit
    20.12.2010
    Ort
    Deutschland
    Beiträge
    627

    Standard

    Zitat Zitat von ewuryba Beitrag anzeigen
    Es kann nicht sein, dass man sagt: "Eigentlich hätten die Daten gar nicht gespeichert werden dürfen. Aber weil sie nicht gelöscht sind, dürfen wir diese gerichtlich verwerten."
    Vielleicht ist das auch der Kern der Aussage der Dame: "Post-Privacy" ist ein Zustand, in dem der Betroffene nicht mehr davon ausgehen kann, dass er alle seine Daten noch unter Kontrolle hat. Dies war aber in "den Eighties" die logische Voraussetzung für einen funktionierenden Datenschutz.

    Wenn man dies genauer betrachten will, erleben wir hier eine Abkehr von dem US-amerikanischen Prinzip der privacy als "right to be let alone". Dieses Recht ist nicht mehr durchsetzbar - niemand ist eine "Insel" und kann sich jeglicher Datenverarbeitung entziehen (Eremiten ausgenommen). Umso dringlicher wird aber die Wirkung des Staates als Regulativ.

    Der Artikel mit der ersten Erwähnung des "right to be let alone" (Warren, Brandeis 1890) zeigt im Übrigen die Notwendigkeit von Regulierung im Zeitalter eines Medienbruchs und dazugehöriger wirtschaftlicher Interessen. Warren und Brandeis beschrieben seinerzeit die Einführung der Fotografie in der (Boulevard-)Presse. Wenn man den Artikel mit heutigen Augen liest, könnte man aber auch meinen, sie schreiben über das Internet und Facebook.

    Was sicherlich folgen muss, ist eine neue Definition der Daten, die unter das Thema Datenschutz fallen sollen. Eine IP-Adresse muss das nicht sein, wenn geregelt ist, dass diese nicht zur Verknüpfung mit anderen Daten verwendet werden darf. Ob eine solche Regelung auf nationalen Gesetzen, internationalen Normen (spannend: ISO zum Privacy Framework derzeit in Entwicklung) oder auf einer wirtschaftlichen Selbstverpflichtung beruht, ist aus meiner Sicht nicht entscheidend. Was sich aber zeigt, ist dass die Diskussion um das Thema Datenschutz nicht vorüber ist - sondern vielleicht gerade erst beginnt...

    Grüße, JD

  10. #10
    Registriert seit
    21.09.2009
    Beiträge
    894

    Standard

    Zitat Zitat von John Doe Beitrag anzeigen
    Was sicherlich folgen muss, ist eine neue Definition der Daten, die unter das Thema Datenschutz fallen sollen. Eine IP-Adresse muss das nicht sein, wenn geregelt ist, dass diese nicht zur Verknüpfung mit anderen Daten verwendet werden darf.
    Ich teile diese Auffassung. Ein Projekt "Modernisierung des Datenschutzes" kommt nicht umhin, den Personenbezug neu zu definieren. Ein Datum oder Datenkonstellation ist nur solange personenbezogen, solange bei der speichernden Stelle mittels der bei ihr gespeicherten oder ihr zugänglichen Daten eine Rückverfolgung zur Identifizierung einer Person führen kann. Wenn z. B. bei einem Provider die Zuordnung der Vergabe einer dynamischen IP-Adresse überhaupt nicht vorratsgespeichert ist, ist kein Personenbezug gegeben, sofern nicht die IP-Adresse im Zusammenhang mit einer bei der speichernden Stelle laufenden Anwendung steht, die z. B. bei Anmeldung oder Bestellung die Angabe identifizierender personenbezogener Daten erhebt. Ob ein Datum personenbezogen ist, wäre stets nach den Möglichkeiten der speichernden Stelle zu beurteilen in Verbindung mit staatlichen Garantien, identifizierende Daten nicht weiterzugeben. Letzteres ist ja leider zweifelhaft, wie man gerade wieder an SWIFT sieht.

Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. "Einbinden" von Vorgesetzten im Konzern von "ausserhalb"?
    Von auditor im Forum Berufsrecht des DSB
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 04.03.2011, 18:08
  2. Forumbetreiber "outet" user mit "Klarnamen"
    Von Mila im Forum Internet
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 27.01.2011, 09:35
  3. Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 23.09.2010, 10:23
  4. Kostenloser E-Mail-Kurs "Datenschutz 2010 - Machen Sie ihr Unternehmen fit!"
    Von hansen-oest im Forum Informationssammlungen, Links
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 12.03.2010, 13:12
  5. Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 23.10.2009, 14:36

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •