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Thema: Internet - Pranger und Datenschutz

  1. #1
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    Standard Internet - Pranger und Datenschutz

    Solche Adressetiketten haben aber auch etwas Gutes:
    Sie lassen jene Zeitgenossen leichter identifizieren, die ihren Müll einfach wegwerfen!
    So ist es in unserer Hausgemeinschaft bereits mehrfach gelungen, Ärzte, Architekten und einen BW-Beamten als Vorbilder für Jugendliche und "Kanaken" mit und ohne dt. Pass festzustellen, welche ebenfalls ihren Dreck und Abfall in die Gegend werfen...

    Wie wär's, mit diesen gewonnenen Daten einen Internet-Drecksäcke-Pranger zu füttern?
    Was sagt der Datenschutz dazu?

  2. #2
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    Standard

    Pranger und DS wäre doch eher ein neuer Thread?

    OK - das ist er jetzt.
    Geändert von Ulrich Dammann (20.11.2011 um 14:59 Uhr)
    Ulrich Dammann
    Moderator - Administrator

  3. #3
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    Zitat Zitat von Ulrich Dammann Beitrag anzeigen
    Pranger und DS wäre doch eher ein neuer Thread?
    Warum auch nicht?
    Dabei sollten selbsverständlich keine "amerikanischen" Sitten einreißen. Wie wär's, einmal mit dem (amtlichen) Insolvenzregister im Internet als "barriere-freie" Fundgrube für Nachbarschafts-Schnüffeleien und Bewerber-Vorselektionen zu beginnen? Es erfreut sich auch der Zustimmung gewisser behördlicher "Datenschützer", während sie sich schützend vor Berufsverbrecher und sogar Sexualmörder stellen...

  4. #4
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    Zitat Zitat von mainframer Beitrag anzeigen
    ...während sie sich schützend vor Berufsverbrecher und sogar Sexualmörder stellen...
    Die dürfen auch mitspielen?
    Barrierefreie Pranger-Fanpage mit vorselektierter Insolvenzgarantie?

    Das Cookie würde die Verbrecher erkennen ...sollte es niemand weggeworfen haben ...den Like-it Button hat's schon erwischt.

  5. #5

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    Zitat Zitat von mainframer Beitrag anzeigen
    während sie sich schützend vor Berufsverbrecher und sogar Sexualmörder stellen...
    zum Glück leben wir in einem Staat, in dem jeder Mensch gleichgestellt sein soll. So gelten auch die Grund- und Freiheitsrechte für Personen, die sich vorher nicht darum gekümmert haben.

    Diese Diskussion erinnert mich an die Diskussion über den Alkoholiker, der wegen Leberzirrose ein Spenderorgan braucht und nicht zur Entziehung gehen will. Es ist ja nun medizinisch nachgewiesen, dass die Entziehung für die Transplantation irrelevant ist. Gebe ich also das eine Spenderorgan das ich habe dem Alkoholiker der weiter trinken wird oder dem Patienten der unverschuldet durch falsche Medikamentierung einen Leberschaden erlitten hat?

    Man muss nicht alles in der Welt toll finden, aber man sollte auch die Hintergründe von Dingen hinterfragen, die man nicht mag. Vielleicht haben sie ja doch einen Sinn.

  6. #6
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    Zitat Zitat von Miosga Beitrag anzeigen
    zum Glück leben wir in einem Staat, in dem jeder Mensch gleichgestellt sein soll.
    Wobei die Betonung auf soll liegt.

    Diese Diskussion erinnert mich an die Diskussion über den Alkoholiker...
    Naja nee nee, so ganz haut der Vergleich nicht hin. Die Voraussetzungen stimmen nicht.
    Jedem steht das Persönlichkeitsrecht als Grundrecht und damit der entsprechende Datenschutz zu.
    Aber nicht jeder ist Alkoholiker bzw. nicht jedem wird zwingend ein alkoholhaltiges Getränk verabreicht (in welcher Form auch immer) und auch nicht jeder ist medikamentengeschädigt oder muß zwingend Medikamente nehmen.

    Wenn, dann müßte man alle Alkoholiker nach der Abhängigkeit beurteilen oder alle Medikamentengeschädigten, aber nicht beide Gruppen zusammen. Die Gemeinsamkeit Leberzirrhose ist nicht der gemeinsamen Basis Grundrecht gleichzusetzen. Die Zirrhose ist ein Resultat, das Grundrecht ist eine Voraussetzung - die Basis.
    Die gemeinsame Basis wäre z.B. der Vergleich Stärke der Abhängigkeit gegenüber der Schwere des Berufsverbrechens. Wie hoch ist die Abhängigkeitsgefahr, das Maß des Alkoholgenusses, die Rückfallquote nach Entzug = wie hoch ist die Gefahr einer Wiederholungstat, wie schwer ist sie/wird sie sein, wie hoch ist die Rückfallquote nach Absitzen des Strafmaßes und Wiedereingliederung. Das ist ist Voraussetzung, die zum Resultat Alkoholiker oder Berufsverbrecher führt.
    Eine gemeinsame Basis wäre vielleicht noch der Genpool, darüber kann man sich streiten.

  7. #7

    Standard

    Ich habe die Formulierung schon sehr bewusst gewählt. Nur in Utopia sind Theorie und Realität gleich.

    Aber meinen Vergleich solltest du etwas abstrakter sehen. Bei der Frage, ob Opfer und Sexualstraftäter die selben Grundrechte zu gewähren sind, sind die Akteure austauschbar. Es kann auch der Patient mit selbst verschuldeter bzw. unverschuldeter Zirrose sein. In der Theorie sind alle gleich zu behandeln, doch wie sieht die Praxis aus? Rechtfertigen "Ausfälle" in der Vergangen eine schlechtere Behandlung/Umgang in Gegenwart und Zukunft?

  8. #8
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    "Ausfälle" in der Vergangenheit rechtfertigen mMn. keine schlechtere Behandlung in der Zukunft. Die "Ausfälle" in der Zukunft würden das eventuell, denn dann wäre es, abstrakt oder nicht, eine Form von Vergeudung. Es stünde also eine Überprüfung der Ressourcen an.
    Nun kann man überlegen, in welchem Zusammenhang die "Ausfälle" in der Zukunft zu anderen Aspekten stehen. Ist ein bedeutender, aber alkoholkranker Schriftsteller oder Wissenschaftler begünstigter zu behandeln als ein obdachloser Alkoholiker?

  9. #9
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    Ob die Veröffentlichung bestimmter Daten das Persönlichkeitsrecht verletzt, sollte z.B. von (guten) Journalisten beantwortbar sein. Der Konflikt ist ja nicht neu. Und die Art der Veröffentlichung macht bei diesen Daten keinen Unterschied, ob Printmedium oder Internet oder Massenpostkarten, d.h. es gibt keine Steigerung von "verboten".

    Wenn ich also den Konflikt, bei welchen Personendaten das persönliche Interesse überwiegt, ignoriere, fallen mir noch zwei zu klärende Sachverhalte ein:
    A. Was ist eigentlich ein Pranger?
    B. Inwiefern entsteht durch neue Technologien wie das Netz eine neue Qualität, die nun neue Konzepte zu ihrer rechtlichen und sozialen Beurteilung benötigt?

    Zu A.
    Im Netz fühlt sich jeder an den Pranger gestellt, über den etwas Negatives veröffentlich wird. Daher ist etwas Begriffsklärung notwendig:
    1. kein Pranger: Verfahren/Produkte/Dienstleistungen, die kritisiert werden, obwohl deren Anbieter ggf. direkt ihren Angeboten zuzuordnen sind.
    2. kein Pranger: Personen, die Informationen über sich selbst (Meinungen, Ansichten) im Netz in Umlauf bringen, also Werbung in eigener Sache machen, obwohl es hier nicht um käufliche Güter geht. Auch wenn das LG Stuttgart einmal meinte, man dürfe auch vollständige Zitate nicht in einen pejorativen Zusammenhang rücken, ist diese Rechtsauffassung doch mittlerweile überholt. Ein Extremfall als Beispiel: Wer unter Klarnamen veröffentlicht, dass seiner Meinung nach die Welt von echsenartigen Wesen heimlich beherrscht wird, wird nicht an den Pranger gestellt dadurch, dass man diese Ansicht auf der eigenen Homepage als irregeleitet kritisiert, einer Sammlung von weiteren irregeleiteten Weltvorstellungen hinzufügt, und den Echsengläubigen in ein Irregeleiteten-Wiki aufnimmt.
    3. Was sind Kennzeichen eines Prangers?
    a) Informationen ins Netz hochladen, die vorher nicht im Netz waren, oder in nur in gesicherten Teilen des Netzes verfügbar.
    b) Diese Information bestimmten benannten Personen zuordnen oder die Zuordnung ermöglichen.
    c) Die Informationen müssen das Persönlichkeitsrecht betreffen (unter 1. und 2. ist das nicht der Fall).
    d) Weitere?

    Zu B.
    Moderne Zeiten 1: Es besteht bspw. für Inkassounternehmen die lukrative Möglichkeit, völlig ungerechtfertigte Abmahnungen oder dergl. mit Zahlungsaufforderungen preisgünstig an Privatleute zu versenden, die sich oft nicht in der Lage sehen, dagegen vorzugehen. Nicht jeder ist stets im Vollbesitz seiner Kräfte.
    Moderne Zeiten 2: Das Netz multipliziert die Veröffentlichung von Fakten und Meinungen und potenziert ihre Rezeption. Es gibt offenbar kein rechtliches Mittel gegen "Schwachsinniges Verklagtwerden" (bspw. Fall Zwanziger vs. Weinreich, der zeigt, dass es ruinös sein kann, in allen Instanzen Recht zu bekommen, nachdem man seine Meinung geäußert hat), doch dieses Mittel wird im Fall der durch das Internet potenzierten Meinungen immer notwendiger.

    Früher gab es nur wenige Massenmedien, heute hat jeder mit dem Netz ein eigenes Massenmedium in seiner Verantwortung. Und das Netz ist nicht das einzige zugängliche Medium, mit dem man massenhaft Menschen erreichen kann. Früher wäre es wohl nicht lukrativ gewesen, massenhaft Zahlungsaufforderungen zuzustellen. Früher wäre es wohl nicht so einfach gewesen, Meinungen, Beleidigungen, personenbezogene Daten massenhaft erreichbar zu machen.
    Ich sehe hier technologiemotivierten Regelungsbedarf.

  10. #10
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    Standard

    A 3. d) Bezieht man sich auf die eigentliche Definition "Pranger" = Schandpfahl, gehörte dahin die Darstellung des schändlichen, bestrafungswürdigen, ungesetzlichen Tuns dessen, der an den Pranger gestellt werden soll. Der Pranger galt als öffentliche Zurschaustellung einer Person, die aufgrund ihrer Missetaten mit körperlicher Gewalt und öffentlicher Demütigung gestraft wurde.

    Es besteht weit mehr als technologiemotivierten Regelungsbedarf. Ebenso wie die Leute freiwillig ihre Daten hergeben, fallen sie ohne Prüfung der Tatsachen gemeinschaftlich über jemanden her. Das macht es aufgrund der ständigen Erreichbarkeit, der Vervielfätigungsmechanismen und des verlorenen Vergessens in den Modernen Zeiten so gefährlich. Es besteht auch der Bedarf des Umdenkens. Aber ob das je erreicht wird?

    Echsengläubige? Und ich dachte, wir wären alle im Versuchslabor der Mäuse.

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