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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Google startet eigenen DNS-Dienst



Ulrich Dammann
04.12.2009, 12:11
Google startet eigenen DNS-Dienst (https://www.privacyfoundation.de/blog/2009/12/google-startet-eigenen-dns-dienst/)

Veröffentlicht am 3. Dezember 2009 20:57
in DNS, Google von jkm
Heute hat Google in seinem Blog einen eigenen DNS-Dienst mit dem Namen Google Public DNS angekündigt.

Dieser soll vor allem schneller sein als herkömmliche DNS-Server. Die DNS-Datensätze häufig aufgerufener Domains sollen in der aktuellsten Fassung zwischengespeichert werden, noch bevor eine Anfrage dazu gestellt wird. Dies ist ein interessanter und guter Ansatz; ob sich daraus ein in der Praxis meßbarer Geschwindigkeitsvorteil ergibt, bleibt abzuwarten.

Weiterhin soll der Server sicher sein gegen Spoofing-Attacken. Warum dabei jedoch nicht auf DNSSEC gesetzt wird, ist unverständlich. Gerade wenn ein großes Unternehmen wie Google DNSSEC einsetzen würde, könnte der Verbreitung der Technologie auf die Sprünge geholfen werden. Eine proprietäre Methode muß die behauptete Sicherheit hingegen erst einmal beweisen.

Bemerkenswerter ist aber die Zusage, daß keine Domains gesperrt oder zensiert werden. Damit ist Google Public DNS eine interessante Alternative zu freien DNS-Servern, wie sie auch von der German Privacy Foundation betrieben werden. Inwieweit Google sich aber als amerikanisches Unternehmen Zensurforderungen seitens der USA oder anderer Länder entgegenstellen kann und will, bleibt abzuwarten. Fast alle großen Internetdienstleister verhalten sich z.B. gegenüber der chinesischen Internetzensur willfährig, wie zuletzt Opera bewies.

Doch wie sieht es mit dem Datenschutz aus? Google sammelt insbesondere über Cookies von Analytics und AdSense eine nicht unerhebliche Menge an Datensätzen, die Rückschlüsse auf das Nutzerverhalten im gesamten Internet zulassen. Hier wäre es natürlich verlockend, diese Statistiken durch Logs der DNS-Abfragen zu ergänzen. Zwar sichert Google zu, die personenbezogenen IP-Adressen binnen max. 48 Std. zu löschen, doch auch wenn diese anonymisiert sind, lassen sich daraus umfangreiche Analysen zum Internet-Traffic erstellen. Z.B. kann die Popularität von Domains oder das Klickverhalten auf Links gemessen werden, auch wenn der User die Google-Cookies nicht akzeptiert.

Sicher wäre dies auch anderen Betreibern von DNS-Servern möglich, jedoch wird Google wohl wie mit seinen anderen Diensten (z.B. Suche, Mail oder AdWords) eine um ein Vielfaches höhere Nutzerzahl und damit Datenbasis aggregieren.

Fazit: Wenn sich Google an die eigenen Zusagen zum Datenschutz hält, ist Public DNS eine interessante Alternative zu den DNS-Servern des Providers. Doch in jedem Fall unterstützt man damit Google in seinem Bestreben, das Nutzungsverhalten im Internet bis ins letzte Detail zu erforschen.