Die Beauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit

Kundenbindungssysteme

Kundenkarten, auch Rabattkarten genannt, erfreuen sich großer Beliebtheit und finden sich in vielen Brieftaschen. Über Rabatt- und Sonderaktionen sollen die Verbraucher an das Unternehmen oder die hinter der Kundenkarte stehenden Konzerne gebunden werden. Im Gegenzug erfahren die Kundenkartenanbieter sehr viele Details über die Lebens- und Kaufgewohnheiten ihrer Kunden. Dieses Wissen nutzen die teilnehmenden Unternehmen für die Produktgestaltung, die Präsentation von Waren und vor allem für die gezielte Werbung.

Kundenkarten werden von verschiedenen Anbietern herausgegeben und erfreuen sich großer Beliebtheit. So stehen hinter den gängigen Kundenbindungssystemen in Deutschland oft mehrere große Konzerne.

In der Regel gewähren die Kundenkarten den Verbrauchern in kleinerem Umfang Rabatte, zum Teil in Form von später einlösbaren Bonuspunkten; zusätzlich bekommen Karteninhaber z.B. Coupons für höhere Rabatte bei Sonderaktionen, Prämien, Eintrittskarten für Sportveranstaltungen oder Konzerte und vieles mehr. Die Verbraucher sollen so an das Unternehmen oder die hinter der Kundenkarte stehenden Konzerne gebunden werden und ihre Käufe auf die entsprechenden Geschäfte konzentrieren. Doch geht das Interesse der Kundenkartenanbieter in der Regel weiter. Als Gegenleistung für die Rabattgewährung wollen die Anbieter auch etwas vom Kunden erfahren. Angaben zu Interessen, Konsum- und Kaufgewohnheiten, soziale und familiäre Verhältnisse werden z.T. auf den Anmeldeformularen erfragt oder über das tatsächliche Kaufverhalten in Erfahrung gebracht. Die Daten ermöglichen dem Anbieter, eine Vorstellung von den Wünschen und Verhaltensweisen der eigenen Kunden zu bekommen. Dies kann sich auf die Produktgestaltung, die Präsentation und vor allem auf die Art der Werbung auswirken. Je präziser die Angaben sind, desto mehr ermöglichen sie einen umfassenden Überblick über die Lebensverhältnisse der Kunden. Als Folge können selbst sensible Konsumdaten für Zwecke der Profilbildung genutzt oder an andere Firmen verkauft werden.

Trotz der datenschutzrechtlichen Gefahren sind Kundenbindungsprogramme nicht von vornherein zu verurteilen. Jeder Verbraucher ist Herr seiner Daten, er muss sich keine Kundenkarte nehmen, wenn er davon nicht überzeugt ist. Aus Datenschutzsicht ist allerdings zu fordern, dass die Position des Verbrauchers durch Transparenz und Information gestärkt wird. Jeder muss wissen, wozu welche Daten erfragt werden, welche Daten über ihn gespeichert werden und zu welchem Zweck und ob die Daten an Dritte weitergegeben werden. Jeder Inhaber einer Kundenkarte sollte wissen, welche Unternehmen hinter der Karte stehen und inwieweit sein Kaufverhalten zu einem Kundenprofil zusammengeführt wird. Erst eine genaue Information gibt ihm die Möglichkeit abzuwägen und frei zu entscheiden, ob er für die ihm gewährten Vorteile auch die einhergehenden Gefahren in Kauf nehmen will.

Durch die am 25. Mai 2018 geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) werden sich die Anforderungen an die Transparenz noch weiter erhöhen. So enthalten vor allem die Art. 13 und 14 DSGVO umfangreiche Informationspflichten, die die Anbieter erfüllen müssen. Zudem präzisiert die DSGVO auch die Anforderungen an die Wirksamkeit einer Einwilligung. Die auf der Grundlage des geltenden Rechts wirksam erteilten Einwilligungen in die Verarbeitung der Verbraucherdaten durch Anbieter von Kundenbindungssystemen können auch ab dem 25. Mai 2018 wirksam bleiben. Dies gilt allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Art der erteilten Einwilligung den Bedingungen der DSGVO entspricht.